Tierleid hautnah


Das Internet ist voll mit unzähligen Video zur Massentierhaltung. Natürlich ist es oftmals sehr schwer, die gezeigten Bilder zu ertragen. Bilder haben oft eine größere und nachhaltigere Wirkung als Worte. Als ich noch selbst Fleisch gegessen habe, fiel es mir noch schwerer, solche Bilder und Videos zu ertragen. Und ja, ich habe sie zumeist auch gar nicht bis zum Ende betrachtet, da mir das Salami-Brötchen doch gerade auch so gut schmeckte. Manchmal muss ich mich bremsen, mir nicht selbst zu viele Vorwürfe zu machen. Denn ich wusste es einfach nicht besser... Hatte mich nicht bewusst mit Tierleid und unter welchen Bedingungen meine Lieblingssalami wahrscheinlich hergestellt wurde befasst. Doch je öfter und je mehr ich mich mit der Fleischproduktion, Eierproduktion und Milchindustrie beschäftige, desto mehr wächst in mir der Wunsch, mich hiervon zu distanzieren.  

 

Ein besonderes Erlebnis hatte ich in diesem Zusammenhang im Mai 2017. Auf einer längeren Autofahrt habe ich eine Pause einlegen müssen, da ich mich müde fühlte und unmittelbar vor mir ein zäher Stau angekündigt war, durch den ich 30 Minuten verlieren sollte. Also, schnell auf den nächsten Parkplatz raus. Schon beim Ausfahren sah ich, dass auf dem Parkplatz (es war keine Raststätte) ein Tiertransporter stand. Beim Vorbeifahren konnte ich durch die offenen Gitterstäbe jedoch nicht erkennen, ob Tiere im Laster waren. Ich parkte und stieg aus und roch schon, dass sehr wohl Tiere drin sein mussten. Nun saß in der Fahrerkabine der Fahrer und ich wollte nicht so wirken, als ob ich es auf seinen Laster abgesehen hatte. Dennoch war ich bereits zu diesem Zeitpunkt schon sehr berührt: an dem Tag waren es ca. 27 Grad und der LKW stand in der prallen Sonne. Mir selbst wurde direkt heiß, als ich einfach nur in der Sonne stand. Ich tat so, als müsste ich telefonieren und bin dabei ein bisschen auf und ab gelaufen. Und dann sah ich sie: ausgewachsene Schweine, eng beieinander stehend, teilweise übereinander liegend. Sie gaben keinen Mucks von sich und bewegten sich kaum. Die meisten hatte die Augen zu und man hörte sie nur laut atmen. Nach ca. 20 Minuten konnte ich es nicht länger ertragen und googelte, welche gesetzesmäßigen Regelungen es für Tiertransporte gibt. Diese sind zwar vorhanden, aber eigentlich einen Tropfen auf den heißen Stein. Nichtsdestotrotz rief ich bei der Polizei an und fragte, wer denn wohl für die Kontrolle von Tiertransporten und die Einhaltung derer Bedingungen zuständig sei. Man antwortete mir freundlich, dass dies in 1. Instanz in meinem Fall die Autobahnpolizei sei und in 2. Instanz dann das Veterinäramt. Ich fragte freundlich weiter, was wir denn nun machen müssten, damit die 1. Instanz denn den hinter mir stehenden Tiertransporter mal überprüfen könnte... erklärte ihm, dass der Wagen seit mindestens nun 30 Minuten in der prallen Sonne stünde, ein Stau unmittelbar voraus sei und ich weder Tränke noch Klimatisierung sehen könne. Er nahm meinen Namen auf, meinen Standort und das Kennzeichen des Lasters und bestätigte, dass er Kollegen vorbei schicken wollte, obwohl es ja eigentlich "eh die letzte Fahrt der Schweine ist". Ich bedankte mich für die Unterstützung und betonte, dass auch wenn es sich um die letzte Fahrt der Tiere handele, diese doch trotzdem nicht unter solchen Bedingungen leiden sollten. "Das stimmt natürlich" sagte der Polizist und wir legten auf. Ob jemand kam weiß ich nicht, denn nach einer weiteren Zeit musste ich meinen Weg fortsetzen.... direkt in den Stau, wo auch der Laster mit Sicherheit später länger als nur 30 Minuten erneut in der prallen Sonne verharren musste. 

Dies war meine erste Hautnah-Begegnung in dieser Form. Worte, Bilder und Videos hin oder her: das ist nochmal etwas ganz anderes. Das beschäftigt einen, klingt noch eine ganze Weile nach dem Erlebnis nach. Ich habe die Schweine betrachtet und mir vorgestellt, was als nächstes mit Ihnen passiert. Habe an die Videos zurück gedacht, die einem zeigen, dass Schweine Angst und Furcht empfinden. Habe die weit aufgerissenen Augen gesehen, bevor sie zum XXL Schnitzel und zur Bockwurst verarbeitet werden. Jeder hat die Wahl, was er isst. Doch eigentlich müsste es doch eher heißen: Jeder hat die Wahl, WEN er isst. 

 

Für mich war diese Begegnung eine Erfahrung, die mich erneut darin bestätigt hat, Fleisch von meinem Speiseplan zu streichen und den Weg der pflanzlich basierten Ernährung weiter zu gehen. 

 

 

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